Wenn eine Erektion einmal ausbleibt oder während des Sex nachlässt, ist das noch keine erektile Dysfunktion. Müdigkeit, Stress, Nervosität, größere Mengen Alkohol oder eine vorübergehend geringe sexuelle Erregung können die Erektionsfähigkeit beeinflussen. Medizinisch relevant wird das Problem vor allem dann, wenn Schwierigkeiten wiederholt auftreten, länger bestehen oder die Sexualität deutlich belasten.
Erektionsstörungen sind dabei nicht einfach eine Frage vermeintlicher sexueller Leistungsfähigkeit. Eine Erektion entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel von Gehirn, Nervensystem, Blutgefäßen, Schwellkörpergewebe, Hormonen und psychischer Erregung. Entsprechend vielfältig können die Ursachen sein. Häufig wirken körperliche und psychische Faktoren gleichzeitig.
Eine anhaltende erektile Dysfunktion verdient auch deshalb Aufmerksamkeit, weil sie mit Diabetes, Gefäßkrankheiten und anderen kardiovaskulären Risikofaktoren verbunden sein kann. Das bedeutet nicht, dass hinter jedem Erektionsproblem eine schwere Erkrankung steckt. Wiederkehrende Beschwerden können jedoch ein sinnvoller Anlass sein, die allgemeine Gesundheit genauer zu betrachten.
Wann spricht man von einer Erektionsstörung?
Eine erektile Dysfunktion liegt vor, wenn es wiederholt oder anhaltend nicht gelingt, eine für sexuelle Aktivität ausreichende Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten.
Der früher häufig verwendete Begriff „Impotenz“ ist dafür wenig präzise. Er kann unterschiedliche Störungen der männlichen Sexualfunktion bezeichnen und wird medizinisch heute deutlich seltener verwendet.
Gelegentliche Schwierigkeiten sind von einer erektilen Dysfunktion zu unterscheiden. Eine Erektion ist keine konstante körperliche Funktion, die bei jeder sexuellen Begegnung identisch abläuft.
Vorübergehend können unter anderem folgende Faktoren Einfluss nehmen:
- Schlafmangel und Erschöpfung
- beruflicher oder privater Stress
- Nervosität
- hoher Erwartungsdruck
- größere Mengen Alkohol
- Konflikte innerhalb einer Beziehung
- geringe oder nachlassende sexuelle Erregung
Gerade nach einer einzelnen unangenehmen Erfahrung kann sich zudem ein Kreislauf entwickeln. Der Mann befürchtet beim nächsten sexuellen Kontakt, dass die Erektion erneut nachlassen könnte. Dadurch richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf die eigene körperliche Reaktion. Die entstehende Anspannung kann die sexuelle Erregung zusätzlich beeinträchtigen.
Fragen zu Sexualität und körperlichem Wohlbefinden sollten deshalb nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Sexuelle Gesundheit umfasst sowohl körperliche Funktionen als auch psychisches Erleben, Beziehungen und Kommunikation.
Wie entsteht eine Erektion?
Eine Erektion ist ein sogenannter neurovaskulärer Vorgang. Das bedeutet, dass insbesondere Nerven und Blutgefäße eng zusammenarbeiten müssen.
Sexuelle Erregung kann durch Berührung, Gedanken, visuelle Reize oder andere individuelle Stimuli ausgelöst werden. Über Nervenbahnen werden daraufhin Signale an den Penis weitergeleitet.
Diese Signale führen dazu, dass sich die glatte Muskulatur im Schwellkörpergewebe entspannt. Die zuführenden Blutgefäße erweitern sich, sodass mehr Blut in die Schwellkörper einströmt.
Gleichzeitig werden die Venen, über die das Blut normalerweise wieder abfließt, durch die zunehmende Füllung der Schwellkörper zusammengedrückt. Dadurch bleibt mehr Blut im Penis, der Druck steigt und der Penis wird steif.
Dieser Prozess funktioniert nur zuverlässig, wenn mehrere Systeme zusammenspielen:
- Nerven müssen die erforderlichen Signale weiterleiten
- Blutgefäße müssen sich ausreichend erweitern können
- das Schwellkörpergewebe muss funktionieren
- der Blutabfluss muss ausreichend gedrosselt werden
- sexuelle Erregung muss vorhanden sein
Eine Störung an unterschiedlichen Stellen dieses Systems kann deshalb zu Erektionsproblemen führen.
Gefäße gehören zu den wichtigsten körperlichen Faktoren
Eine ausreichende Durchblutung ist für eine Erektion unverzichtbar. Erkrankungen und Risikofaktoren, welche die Gefäßfunktion beeinträchtigen, können deshalb auch die Erektionsfähigkeit beeinflussen.
Dazu gehören insbesondere:
- Bluthochdruck
- Arteriosklerose
- erhöhte Blutfette
- Diabetes mellitus
- Rauchen
- starkes Übergewicht
- Bewegungsmangel
- bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Diese Faktoren können die Innenwand der Blutgefäße und deren Fähigkeit beeinträchtigen, sich ausreichend zu erweitern.
Dabei ist wichtig, zwischen Ursache und Risikofaktor zu unterscheiden. Ein Mann mit Bluthochdruck entwickelt nicht zwangsläufig eine erektile Dysfunktion. Bestehen mehrere Gefäßrisiken gleichzeitig, steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit entsprechender Probleme.
Können Erektionsstörungen auf Herz-Kreislauf-Risiken hinweisen?
Erektile Dysfunktion und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besitzen zahlreiche gemeinsame Risikofaktoren. Dazu gehören unter anderem Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Rauchen und Adipositas.
Deshalb betrachten medizinische Leitlinien eine neu auftretende erektile Dysfunktion auch als möglichen Hinweis darauf, dass kardiovaskuläre Risikofaktoren überprüft werden sollten.
Das ist keine Gleichung nach dem Prinzip:
Erektionsstörung = Herzerkrankung.
Ein solcher Schluss wäre medizinisch falsch.
Vielmehr kann die Untersuchung wegen wiederkehrender Erektionsprobleme eine Gelegenheit sein, Blutdruck, Zuckerstoffwechsel, Blutfette und andere Risikofaktoren zu überprüfen.
Gerade bei Männern, die bisher kaum Vorsorgeuntersuchungen wahrgenommen haben, kann das medizinisch relevant sein.
Warum Diabetes die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen kann
Diabetes mellitus ist einer der bedeutenden körperlichen Risikofaktoren für erektile Dysfunktion.
Längerfristig erhöhte Blutzuckerwerte können sowohl kleine und größere Blutgefäße als auch Nerven schädigen. Für die Erektionsfähigkeit ist beides problematisch.
Ist die Gefäßfunktion beeinträchtigt, kann die Blutversorgung des Penis vermindert sein. Gleichzeitig können diabetische Nervenschäden die Weiterleitung sexueller Reize beeinträchtigen.
Hinzu kommt, dass bei Menschen mit Typ-2-Diabetes häufig weitere Risikofaktoren bestehen, beispielsweise:
- Bluthochdruck
- Fettstoffwechselstörungen
- Übergewicht
- geringe körperliche Aktivität
Die Behandlung einer erektilen Dysfunktion bei Diabetes sollte deshalb nicht nur das unmittelbare sexuelle Symptom berücksichtigen, sondern auch die Stoffwechseleinstellung und die allgemeine Gefäßgesundheit.
Nervenschäden und neurologische Erkrankungen
Damit eine Erektion entstehen kann, müssen Nervensignale zwischen Gehirn, Rückenmark und Penis übertragen werden.
Erkrankungen oder Verletzungen des Nervensystems können diesen Vorgang beeinträchtigen.
Mögliche Ursachen sind beispielsweise:
- Rückenmarksverletzungen
- Multiple Sklerose
- bestimmte neurologische Erkrankungen
- Nervenschäden infolge von Diabetes
- Verletzungen im Beckenbereich
Auch Operationen können eine Rolle spielen.
Ein bekanntes Beispiel sind Eingriffe an der Prostata. Bei einer radikalen Prostatektomie befinden sich wichtige Nervenbahnen in unmittelbarer Nähe des Operationsgebietes. Selbst bei nervenschonenden Verfahren können anschließend vorübergehende oder länger bestehende Erektionsprobleme auftreten.
Wie gut sich die Erektionsfähigkeit erholt, hängt unter anderem vom Alter, der Erektionsfunktion vor dem Eingriff, der Operationstechnik und individuellen körperlichen Faktoren ab.
Testosteron ist nur ein Teil des Gesamtbildes
Bei Erektionsproblemen wird häufig zuerst an einen Testosteronmangel gedacht. Tatsächlich ist der Zusammenhang komplexer.
Testosteron spielt insbesondere für sexuelle Lust und verschiedene Aspekte der Sexualfunktion eine Rolle. Ein ausgeprägter Hormonmangel kann deshalb unter anderem mit verminderter Libido verbunden sein.
Viele Männer mit erektiler Dysfunktion haben jedoch normale Testosteronwerte.
Umgekehrt bedeutet ein niedriger Testosteronwert nicht automatisch, dass dies allein die Ursache einer Erektionsstörung ist.
Bei der ärztlichen Abklärung kann eine Bestimmung des morgendlichen Gesamt-Testosterons sinnvoll sein. Ob weitere hormonelle Untersuchungen erforderlich sind, hängt vom Befund und von zusätzlichen Symptomen ab.
Eine Testosterontherapie ist keine allgemeine Behandlung von Erektionsproblemen. Sie kommt nur infrage, wenn ein entsprechender Hormonmangel medizinisch festgestellt und eine Behandlung als sinnvoll beurteilt wurde.
Auch die Schilddrüse und andere hormonelle Faktoren können eine Rolle spielen
Nicht nur Testosteron kann für die Sexualfunktion relevant sein.
Auch Störungen der Schilddrüsenfunktion oder andere hormonelle Veränderungen können sich auf Libido, Stimmung und Sexualfunktion auswirken.
Solche Ursachen gehören allerdings nicht bei jedem Mann zu den wahrscheinlichsten Erklärungen. Welche Laboruntersuchungen sinnvoll sind, richtet sich nach Beschwerden, Krankengeschichte und körperlicher Untersuchung.
Eine wahllose Bestimmung möglichst vieler Hormone liefert deshalb nicht automatisch bessere Antworten.
Medikamente als mögliche Ursache
Bei neu aufgetretenen Erektionsproblemen sollte auch geprüft werden, welche Medikamente eingenommen werden.
Sexuelle Nebenwirkungen können unter anderem bei einigen Medikamenten auftreten, die eingesetzt werden gegen:
- Depressionen und andere psychische Erkrankungen
- Bluthochdruck
- hormonabhängige Erkrankungen
- bestimmte Prostataerkrankungen
- Schmerzen
Auch manche Beruhigungs- und Schlafmittel können die Sexualfunktion beeinflussen.
Dabei ist Vorsicht mit pauschalen Aussagen erforderlich. Nicht jeder Wirkstoff einer Medikamentengruppe verursacht Erektionsprobleme, und nicht jeder Patient reagiert gleich.
Zudem kann die Erkrankung, gegen die das Medikament verschrieben wurde, selbst zur erektilen Dysfunktion beitragen.
Deshalb gilt: Ein verschriebenes Medikament sollte wegen sexueller Nebenwirkungen nicht eigenmächtig abgesetzt oder in seiner Dosierung verändert werden.
Besteht ein zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Beginn einer Medikamenteneinnahme und neu auftretenden Beschwerden, sollte dies mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Stress und Leistungsdruck beeinflussen reale körperliche Prozesse
Psychische Faktoren sind keine eingebildeten Ursachen von Erektionsproblemen.
Sexuelle Erregung beginnt zu einem wesentlichen Teil im Gehirn. Angst, Stress und starke Selbstbeobachtung können deshalb unmittelbar Einfluss auf die körperliche Sexualreaktion nehmen.
Relevant sein können beispielsweise:
- beruflicher Dauerstress
- Versagensangst
- depressive Beschwerden
- Angststörungen
- Konflikte innerhalb einer Partnerschaft
- Unsicherheit in einer neuen Beziehung
- negative sexuelle Erfahrungen
- ausgeprägter Leistungsdruck
Besonders häufig entsteht ein Teufelskreis.
Eine Erektion lässt einmal nach. Beim nächsten sexuellen Kontakt entsteht die Erwartung, dass dasselbe wieder passieren könnte. Der Betroffene kontrolliert zunehmend, ob der Penis ausreichend steif bleibt.
Dadurch wird Sexualität zu einer Prüfungssituation.
Die körperliche Erregung kann unter dieser Anspannung tatsächlich schwieriger werden. So verstärkt die Angst vor einer erneuten Erektionsstörung genau das Problem, das vermieden werden soll.
Körperlich oder psychisch? Häufig ist diese Trennung zu einfach
Die Frage „Ist es körperlich oder psychisch?“ klingt logisch, entspricht aber oft nicht der Realität.
Viele Erektionsstörungen besitzen mehrere Einflussfaktoren.
Ein Mann kann beispielsweise aufgrund einer beginnenden Gefäßveränderung feststellen, dass seine Erektionen weniger zuverlässig werden. Daraus entsteht Unsicherheit. Diese Unsicherheit führt zu Leistungsdruck, wodurch sich das ursprüngliche körperliche Problem verstärkt.
Umgekehrt kann chronischer Stress mit Schlafmangel, höherem Alkoholkonsum und weniger Bewegung einhergehen. Dadurch wirken psychische und körperliche Faktoren ebenfalls zusammen.
Eine sorgfältige Diagnostik betrachtet deshalb den gesamten Zusammenhang.
Erektionsprobleme bei jungen Männern
Auch junge Männer können unter wiederkehrenden Erektionsproblemen leiden.
Bei ihnen werden häufig vorschnell ausschließlich psychische Ursachen angenommen. Leistungsdruck und Angst können tatsächlich eine große Rolle spielen, sind aber nicht die einzigen Möglichkeiten.
Auch bei jüngeren Männern kommen unter anderem infrage:
- Diabetes
- hormonelle Erkrankungen
- Medikamente
- neurologische Ursachen
- starkes Übergewicht
- Alkohol und andere Substanzen
- Schlafstörungen
- psychische Erkrankungen
Alter allein reicht deshalb nicht aus, um die Ursache einzuschätzen.
Auf der anderen Seite sollte eine einzelne schwierige sexuelle Situation bei einem ansonsten gesunden jungen Mann nicht automatisch medizinisiert werden.
Entscheidend sind Häufigkeit, Dauer und persönliche Belastung.
Erektionsstörungen im höheren Alter
Erektionsprobleme treten mit zunehmendem Alter häufiger auf. Sie sind jedoch keine zwangsläufige oder unbehandelbare Folge des Alterns.
Mit den Lebensjahren nehmen allerdings verschiedene Erkrankungen zu, die eine erektile Dysfunktion begünstigen können.
Dazu gehören:
- Gefäßerkrankungen
- Diabetes
- Bluthochdruck
- neurologische Erkrankungen
- Einnahme mehrerer Medikamente
- Folgen von Operationen
Auch normale altersbedingte Veränderungen können die sexuelle Reaktion beeinflussen. Manche Männer benötigen länger, bis eine vollständige Erektion entsteht, oder brauchen eine intensivere direkte Stimulation.
Das ist nicht automatisch mit einer erektilen Dysfunktion gleichzusetzen.
Ausschlaggebend ist, ob eine für die gewünschte sexuelle Aktivität ausreichende Erektion regelmäßig erreicht und gehalten werden kann.
Was sagt die Morgenerektion tatsächlich aus?
Morgenerektionen werden im Internet häufig als einfacher Test dargestellt:
Ist morgens eine Erektion vorhanden, müsse das Problem psychisch sein. Fehlt sie, liege eine körperliche Ursache vor.
Diese Einteilung ist zu simpel.
Während des Schlafes treten insbesondere in bestimmten Schlafphasen spontane Erektionen auf. Die medizinische Untersuchung nächtlicher Erektionen kann bei ausgewählten Fragestellungen Hinweise liefern.
Eine einzelne beobachtete oder nicht beobachtete Morgenerektion besitzt jedoch nur begrenzte Aussagekraft.
Unter anderem können Schlafqualität, Alter, Medikamente und die individuelle Wahrnehmung beeinflussen, ob morgens eine Erektion bemerkt wird.
Das Vorhandensein von Morgenerektionen schließt körperliche Ursachen daher nicht zuverlässig aus. Ihr Fehlen beweist ebenso wenig eine organische Erkrankung.
Alkohol kann Erregung und Erektionsfähigkeit unterschiedlich beeinflussen
Kleine Mengen Alkohol können Hemmungen reduzieren. Daraus entsteht manchmal der Eindruck, Alkohol verbessere Sexualität.
Körperlich kann Alkohol jedoch gleichzeitig sexuelle Reaktionen beeinträchtigen.
Vor allem größere Mengen können die Signalverarbeitung im Nervensystem beeinflussen und dazu führen, dass eine Erektion schwerer entsteht oder schneller nachlässt.
Bei dauerhaft hohem Alkoholkonsum kommen weitere mögliche Auswirkungen hinzu, beispielsweise:
- Leberschäden
- hormonelle Veränderungen
- Nervenschädigungen
- Gefäßprobleme
- psychische Erkrankungen
Eine einzelne Erektionsschwierigkeit nach erheblichem Alkoholkonsum ist allerdings keine Diagnose einer erektilen Dysfunktion.
Rauchen und Erektionsfähigkeit hängen über die Gefäße zusammen
Rauchen schädigt Blutgefäße und ist ein bedeutender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Da eine Erektion von einer funktionierenden Gefäßerweiterung und ausreichenden Durchblutung abhängt, besteht auch ein nachvollziehbarer Zusammenhang mit erektiler Dysfunktion.
Ein Rauchstopp ist deshalb allerdings keine spezielle Potenzbehandlung.
Er ist vielmehr eine allgemeine gesundheitliche Maßnahme, die das Risiko verschiedener Gefäßkrankheiten reduziert und dadurch auch für die sexuelle Gesundheit relevant sein kann.
Bewegung und Körpergewicht sind keine Wundermittel
Regelmäßige körperliche Aktivität, Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes sowie ein gesundheitlich angemessenes Körpergewicht können die Gefäßgesundheit verbessern.
Das ist bei Erektionsstörungen relevant, weil zahlreiche kardiovaskuläre Risikofaktoren gleichzeitig Risikofaktoren für eine erektile Dysfunktion sind.
Daraus sollte jedoch keine vereinfachte Botschaft werden.
Sport beseitigt nicht jede Erektionsstörung. Bei Nervenschäden, ausgeprägten Gefäßveränderungen, Operationsfolgen oder bestimmten hormonellen Ursachen reicht eine Änderung des Lebensstils möglicherweise nicht aus.
Sie kann dennoch ein wichtiger Bestandteil eines umfassenden Behandlungskonzepts sein.
Pornografie als Ursache: wissenschaftlich differenziert betrachten
Die Behauptung, Pornografiekonsum führe grundsätzlich zu Erektionsstörungen, lässt sich so nicht halten.
Studien untersuchen Zusammenhänge zwischen Pornografienutzung, sexuellen Erwartungen, Masturbationsgewohnheiten, psychischer Gesundheit und partnerschaftlicher Sexualität. Die Ergebnisse erlauben jedoch keine einfache Aussage, dass Pornografie generell eine organische erektile Dysfunktion verursacht.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Zusammenhang und Ursache.
Menschen mit sexuellen Schwierigkeiten können beispielsweise häufiger bestimmte Medien nutzen. Gleichzeitig können problematische Konsummuster bei einzelnen Personen mit sexuellen Erwartungen oder Erregungsgewohnheiten zusammenhängen.
Das ist etwas anderes als der Nachweis, dass Pornografie bei Männern generell Erektionsstörungen verursacht.
Wenn ein Mann einen deutlichen Zusammenhang zwischen seinen Gewohnheiten und Schwierigkeiten in partnerschaftlichen Situationen beobachtet, kann dieses Thema sinnvoll in eine sexualmedizinische oder psychotherapeutische Anamnese einbezogen werden.
Wann sollte man mit Erektionsproblemen zum Arzt?
Nicht jede einzelne Erektionsschwierigkeit erfordert medizinische Diagnostik.
Eine ärztliche Abklärung ist jedoch sinnvoll, wenn die Probleme:
- wiederholt auftreten
- über längere Zeit bestehen
- zunehmend häufiger werden
- die Sexualität oder Partnerschaft deutlich belasten
- plötzlich ohne erkennbare Erklärung begonnen haben
- zusammen mit deutlich verminderter Libido auftreten
- nach einer Operation entstanden sind
- zeitlich mit einem neuen Medikament zusammenfallen
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Männer mit bestehenden Risikofaktoren wie:
- Diabetes
- Bluthochdruck
- erhöhten Blutfetten
- bekannter Gefäßerkrankung
- starkem Übergewicht
- Nikotinkonsum
Die Untersuchung dient dabei nicht nur der Frage, welches Medikament eine Erektion verbessern könnte. Ebenso wichtig ist die Suche nach behandelbaren Ursachen und gesundheitlichen Risiken.
Was bei der ärztlichen Abklärung untersucht wird
Die Diagnostik beginnt üblicherweise mit einem ausführlichen Gespräch.
Dabei geht es nicht nur darum, ob eine Erektion vorhanden ist.
Für die Einordnung sind unter anderem folgende Fragen relevant:
- Seit wann bestehen die Beschwerden?
- Treten sie immer oder nur in bestimmten Situationen auf?
- Kann eine Erektion zunächst entstehen?
- Wie schnell lässt sie nach?
- Bestehen spontane oder morgendliche Erektionen?
- Hat sich die sexuelle Lust verändert?
- Welche Erkrankungen bestehen?
- Welche Medikamente werden eingenommen?
- Wie hoch ist der Alkohol- und Nikotinkonsum?
- Gibt es psychische Belastungen?
- Gibt es Probleme innerhalb der Partnerschaft?
Diese Anamnese ist medizinisch wichtig, weil unterschiedliche Muster auf verschiedene mögliche Ursachen hinweisen können.
Welche körperlichen Untersuchungen sinnvoll sein können
Zur Basisdiagnostik kann eine körperliche Untersuchung gehören.
Dabei können je nach Situation unter anderem beurteilt werden:
- Blutdruck
- Herz-Kreislauf-Risikofaktoren
- äußere Genitalien
- Hinweise auf hormonelle Veränderungen
- neurologische Auffälligkeiten
Auch Gewicht und Taillenumfang können im Zusammenhang mit Stoffwechsel- und Gefäßrisiken relevant sein.
Nicht jeder Mann benötigt dabei sämtliche denkbaren Untersuchungen.
Welche Laborwerte häufig geprüft werden
Bei einer grundlegenden Abklärung können unter anderem Stoffwechsel- und Hormonwerte untersucht werden.
Typischerweise gehören dazu, abhängig von der individuellen Situation:
- Blutzucker oder HbA1c
- Blutfette
- morgendliches Gesamt-Testosteron
Weitere Untersuchungen, etwa Schilddrüsenwerte oder zusätzliche Hormone, werden entsprechend der Krankengeschichte und vorhandener Symptome eingesetzt.
Eine möglichst große Zahl von Laborwerten bedeutet nicht automatisch eine bessere Diagnostik. Entscheidend ist eine medizinisch begründete Auswahl.
Wann spezielle Untersuchungen notwendig werden
Die meisten Männer benötigen zu Beginn keine aufwendige Spezialdiagnostik.
Bei bestimmten Fragestellungen können jedoch zusätzliche Verfahren eingesetzt werden.
Dazu gehören beispielsweise Ultraschalluntersuchungen der Penisgefäße. Dabei kann nach medikamentöser Stimulation untersucht werden, wie gut Blut in den Penis einströmt und wieder abfließt.
Auch Tests nächtlicher Erektionen können in ausgewählten Fällen eingesetzt werden.
Solche Untersuchungen sind vor allem dann sinnvoll, wenn die Ursache nach der Basisdiagnostik unklar bleibt oder eine spezielle Therapie geplant wird.
Behandlung beginnt mit der Ursache
Eine erektile Dysfunktion lässt sich nicht bei jedem Mann nach demselben Schema behandeln.
Der erste Schritt besteht deshalb darin, beeinflussbare Ursachen und Risikofaktoren zu identifizieren.
Dazu können gehören:
- bessere Einstellung eines Diabetes
- Behandlung von Bluthochdruck
- Kontrolle erhöhter Blutfette
- Rauchstopp
- Reduktion eines hohen Alkoholkonsums
- Behandlung psychischer Erkrankungen
- Überprüfung möglicherweise beteiligter Medikamente
Diese Maßnahmen ersetzen eine gezielte Therapie nicht zwangsläufig, können aber Teil eines umfassenden Behandlungskonzepts sein.
PDE-5-Hemmer gehören zu den wichtigsten Medikamenten
Zu den etablierten medikamentösen Behandlungen gehören sogenannte Phosphodiesterase-5-Hemmer, kurz PDE-5-Hemmer.
Zu dieser Wirkstoffgruppe gehören unter anderem:
- Sildenafil
- Tadalafil
- Vardenafil
- Avanafil
Sie fördern unter geeigneten Bedingungen die gefäßbedingten Prozesse, die für eine Erektion erforderlich sind.
Dabei ist ein wesentlicher Punkt wichtig: PDE-5-Hemmer lösen normalerweise nicht unabhängig von sexueller Erregung automatisch eine Erektion aus.
Sie verbessern die körperlichen Voraussetzungen dafür, dass eine Erektion bei sexueller Stimulation entstehen und erhalten bleiben kann.
Die Wirkstoffe unterscheiden sich unter anderem bei Wirkdauer, Wirkungseintritt und individuellen Nebenwirkungen.
Welche Substanz geeignet ist, hängt deshalb von medizinischen Faktoren und persönlichen Bedürfnissen ab.
Warum PDE-5-Hemmer nicht für jeden geeignet sind
Die Medikamente gelten bei vielen Männern als wirksam und gut untersucht. Trotzdem gibt es wichtige Gegenanzeigen und mögliche Wechselwirkungen.
Besonders relevant ist die gleichzeitige Einnahme von Nitraten.
Nitrate werden unter anderem zur Behandlung einer Angina pectoris eingesetzt. PDE-5-Hemmer können deren blutdrucksenkende Wirkung erheblich verstärken. Die Kombination kann zu einem gefährlichen Blutdruckabfall führen und ist daher kontraindiziert.
Auch sogenannte Poppers enthalten häufig Nitrite und können in Kombination mit PDE-5-Hemmern gefährlich sein.
Darüber hinaus müssen bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Medikamente berücksichtigt werden.
Eine eigenständige Einnahme ohne Kenntnis solcher Risiken kann deshalb problematisch sein.
Was tun, wenn Tabletten nicht helfen oder nicht möglich sind?
Orale Medikamente sind nicht die einzige Behandlungsoption.
Vakuumerektionshilfen
Eine Vakuumpumpe erzeugt Unterdruck um den Penis. Dadurch wird Blut in das Schwellkörpergewebe gezogen.
Nach Entstehung einer Erektion kann ein spezieller Ring am Penisansatz den Blutabfluss begrenzen.
Solche Systeme wirken mechanisch und können insbesondere bei Männern eine Option darstellen, die bestimmte Medikamente nicht einnehmen können oder damit keine ausreichende Wirkung erzielen.
Medikamente zur lokalen Anwendung
Bestimmte gefäßerweiternde Wirkstoffe können direkt am Penis angewendet werden.
Dazu gehören insbesondere Medikamente, die in den Schwellkörper injiziert werden. Diese Behandlung wird medizinisch angeleitet und erfordert eine genaue Schulung.
Operative Verfahren
Wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirken oder nicht infrage kommen, können in ausgewählten Fällen Penisprothesen eingesetzt werden.
Dabei handelt es sich um einen operativen Eingriff und nicht um eine frühe Standardtherapie.
Eine Gefäßoperation ist nur bei speziellen Patientengruppen sinnvoll und spielt in der allgemeinen Behandlung erektiler Dysfunktion eine deutlich kleinere Rolle.
Psychotherapie und Sexualtherapie können Teil der Behandlung sein
Wenn Angst, Stress, Depressionen oder Leistungsdruck eine wesentliche Rolle spielen, kann psychotherapeutische beziehungsweise sexualtherapeutische Unterstützung sinnvoll sein.
Das bedeutet nicht, dass die Erektionsstörung „nur im Kopf“ existiert.
Auch bei einer organischen Ursache können sich sekundär psychische Probleme entwickeln.
Ein Mann, der mehrfach eine instabile Erektion erlebt hat, kann beispielsweise zunehmend Angst vor sexuellen Situationen entwickeln. Selbst nach erfolgreicher Behandlung der körperlichen Ursache kann diese Angst weiterbestehen.
In solchen Fällen kann eine Kombination aus medizinischer und psychotherapeutischer Behandlung sinnvoller sein als eine rein körperliche Therapie.
Partnerinnen und Partner können einbezogen werden
Erektionsstörungen betreffen häufig nicht nur den Betroffenen selbst.
Eine Partnerin oder ein Partner kann eine nachlassende Erektion als fehlende sexuelle Anziehung interpretieren. Der Mann wiederum empfindet möglicherweise Scham und vermeidet Gespräche.
Dadurch kann aus einer körperlichen Schwierigkeit ein Beziehungskonflikt entstehen.
Eine Erektion ist jedoch kein zuverlässiger Gradmesser für Attraktivität, Liebe oder sexuelles Interesse.
Stress, Erkrankungen, Medikamente und zahlreiche weitere Faktoren können die körperliche Reaktion beeinflussen, selbst wenn sexuelle Lust vorhanden ist.
Eine sachliche Kommunikation kann deshalb helfen, Missverständnisse und zusätzlichen Leistungsdruck zu vermeiden.
Vorsicht bei nicht kontrollierten Potenzmitteln
Der Markt für vermeintliche Potenzmittel ist groß. Besonders online werden Präparate mit schneller Wirkung und angeblich natürlichen Inhaltsstoffen angeboten.
Hier besteht ein erhebliches Problem: Bei nicht kontrollierten Produkten kann unklar sein, welche Wirkstoffe tatsächlich enthalten sind.
Mögliche Risiken sind:
- nicht deklarierte Arzneistoffe
- falsche Wirkstoffmengen
- Verunreinigungen
- gefälschte Arzneimittel
- unbekannte Wechselwirkungen
Besonders gefährlich kann dies bei Männern sein, die Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen einnehmen.
Auch Nahrungsergänzungsmittel sind nicht automatisch sicher oder wirksam, nur weil sie als „natürlich“ beworben werden.
Bei einer wiederkehrenden Erektionsstörung ersetzt ein solches Produkt außerdem keine medizinische Abklärung der möglichen Ursache.
Sexualität besteht nicht nur aus Penetration
Eine Erektion ist für penetrativen Geschlechtsverkehr von zentraler Bedeutung. Sexualität selbst umfasst jedoch wesentlich mehr.
Nähe, Berührungen, orale und manuelle Stimulation sowie andere Formen sexueller Aktivität hängen nicht zwingend von einer vollständig stabilen Erektion ab.
Diese Erkenntnis sollte nicht dazu dienen, eine belastende erektile Dysfunktion herunterzuspielen.
Wenn ein Mann penetrativen Sex möchte und dies wiederholt nicht möglich ist, besteht ein reales Problem, für das verschiedene medizinische und therapeutische Möglichkeiten vorhanden sind.
Gleichzeitig kann es hilfreich sein, Sexualität nicht ausschließlich daran zu messen, ob eine bestimmte körperliche Funktion jederzeit perfekt funktioniert.
Häufige Fragen zu Erektionsstörungen
Warum lässt die Erektion während des Sex nach?
Dafür gibt es zahlreiche mögliche Gründe. Stress, Nervosität, Müdigkeit, Alkohol, nachlassende sexuelle Erregung oder Ablenkung können vorübergehend eine Rolle spielen. Bei wiederkehrenden Problemen kommen außerdem Gefäßerkrankungen, Diabetes, Medikamente, neurologische Faktoren und andere Ursachen infrage.
Können Erektionsprobleme durch Stress entstehen?
Ja. Stress und Angst können sexuelle Erregung und Erektionsfähigkeit beeinflussen. Häufig wirken jedoch mehrere Ursachen zusammen. Deshalb sollte bei anhaltenden Beschwerden nicht automatisch von einer ausschließlich psychischen Ursache ausgegangen werden.
Was bedeutet es, wenn keine Morgenerektion mehr auftritt?
Das allein erlaubt keine sichere Diagnose. Morgendliche und nächtliche Erektionen können Hinweise auf die Erektionsfunktion geben, werden aber von Schlaf, Alter, Medikamenten und anderen Faktoren beeinflusst.
Sind Erektionsprobleme bei jungen Männern normal?
Gelegentliche Schwierigkeiten können in jedem Alter auftreten. Wiederkehrende Probleme sollten jedoch auch bei jungen Männern ernst genommen werden. Neben Stress und Leistungsdruck können körperliche Erkrankungen, Medikamente und andere Ursachen beteiligt sein.
Können Erektionsstörungen auf eine Herzerkrankung hinweisen?
Eine erektile Dysfunktion teilt viele Risikofaktoren mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deshalb kann sie Anlass sein, kardiovaskuläre Risiken zu überprüfen. Sie bedeutet jedoch nicht automatisch, dass bereits eine Herzerkrankung besteht.
Hilft Testosteron gegen Erektionsstörungen?
Nur bei bestimmten Männern. Liegt tatsächlich ein relevanter Testosteronmangel vor, kann eine hormonelle Behandlung Teil eines ärztlichen Therapiekonzepts sein. Bei normalen Testosteronwerten ist eine solche Behandlung keine allgemeine Therapie der erektilen Dysfunktion.
Wann sollte man wegen Erektionsproblemen zum Arzt?
Eine Untersuchung ist sinnvoll, wenn die Schwierigkeiten wiederholt auftreten, über längere Zeit bestehen oder deutlich belasten. Das gilt besonders bei Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nach Operationen oder wenn die Beschwerden nach Beginn eines neuen Medikaments auftreten.
Erektionsprobleme ernst nehmen, ohne sie zu dramatisieren
Eine einzelne ausbleibende oder schwächere Erektion ist keine erektile Dysfunktion. Sexuelle Reaktionen schwanken und werden von körperlichen ebenso wie von psychischen Faktoren beeinflusst.
Wiederkehrende Beschwerden verdienen dagegen Aufmerksamkeit.
Eine Erektionsstörung kann mit Gefäßveränderungen, Diabetes, neurologischen Erkrankungen, Medikamenten, hormonellen Faktoren, psychischen Belastungen oder mehreren Ursachen gleichzeitig zusammenhängen.
Besonders relevant ist die Verbindung zur allgemeinen Gefäßgesundheit. Die Untersuchung einer erektilen Dysfunktion kann deshalb dazu beitragen, bislang unbeachtete Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfette oder Diabetes zu erkennen.
Gleichzeitig stehen verschiedene etablierte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören die Behandlung zugrunde liegender Erkrankungen, PDE-5-Hemmer, Vakuumhilfen, lokale Medikamente, psychotherapeutische Unterstützung und in ausgewählten Fällen operative Verfahren.
Welche Behandlung sinnvoll ist, entscheidet sich nicht allein daran, wie schnell eine Erektion wieder erreicht werden soll. Entscheidend ist, welche Ursachen vorliegen, welche gesundheitlichen Risiken berücksichtigt werden müssen und welche Lösung zur individuellen Situation passt.
